Otto Muehl
Otto Muehl wurde am 16. Juni 1925 in Grodnau (Mariasdorf) im Burgenland geboren und verstarb am 26. Mai 2013 in Moncarapacho bei Olhão in Portugal.
Als Mitbegründer des Wiener Aktionismus in den 1960er Jahren begann er seine künstlerische Laufbahn mit einem Studium von Deutsch und Geschichte auf Lehramt, bevor er 1953 Kunstpädagogik an der Akademie der bildenden Künste Wien aufnahm, wo er von Heimo Kuchling beeinflusst wurde.
1943 als 18-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen, diente er bis 1945, stieg zum Leutnant auf und nahm an der Ardennenoffensive teil, bevor er in US-Gefangenschaft geriet.
Von einer proportionenorientierten Malerei in den 1950er Jahren wandelte er sich Anfang der 1960er zur radikalen „Überwindung der Tafelmalerei“, indem er Leinwände aufschlitzte, Schrott einarbeitete und „Gerümpelskulpturen“ schuf, die ganze Räume durchzogen.
1962 gründete er mit Hermann Nitsch und Adolf Frohner das Wiener Aktionstheater und verfasste das Manifest „Die Blutorgel“, das den Übergang zu „Materialaktionen“ markierte – provokative Performances mit Körpern, Flüssigkeiten und Zerstörung, dokumentiert von Kurt Kren und Ludwig Hoffenreich.
Ab 1966 entwickelte er mit Günter Brus körperzentrierte Aktionen wie „Zock“, die politisch aufgeladen waren und zu Skandalen führten, etwa beim „Kunst und Revolution“-Event 1968 an der Wiener Universität, das als „Uniferkelei“ bekannt wurde.
In den 1970er Jahren gründete Muehl die reichianisch inspirierte Aktionsanalytische Organisation (AAO) und 1974 die Kommune auf dem Friedrichshof im Burgenland, die bis zu 600 Mitglieder umfasste und Hierarchien, Zweierbeziehungen sowie Kleinfamilien abschaffte, um freie Sexualität und Gemeinschaftseigentum zu etablieren – ein autoritäres, sozialsexuelles Experiment, das jedoch zu Konflikten führte.
Nach der Auflösung der Kommune 1989 malte er weiter, schuf Porträts, Siebdrucke und ab 2002 „Electric-painting-Filme“ sowie „Exzess-art-Objekte“. 1991 wurde er wegen Unzucht mit Minderjährigen und Verstoßes gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt, die er größtenteils in der Justizanstalt ab saß und dort rund 300 Bilder malte.
Nach der Entlassung 1998 zog er nach Portugal, wo er trotz Parkinson-Krankheit bis zu seinem Tod arbeitete; eine Lesung im Burgtheater 1998 löste erneut Debatten aus.
Sein kontroverses Œuvre – umfassend Malerei, Aktionen, Fotografie, Film und Plastik – polarisiert bis heute, wird aber als zentraler Beitrag zum Wiener Aktionismus gewürdigt, mit Werken in Sammlungen wie mumok, Belvedere und Leopold Museum.
Unsere Werke von Otto Muehl
Otto Muehl entwickelte er mit Günter Brus körperzentrierte Aktionen